Samstag, 23. Dezember 2017

Ich bin nicht mehr eure Tochter von Karin Jäckel

Seitenzahl: 366
Verlag: Bastei Entertainment
Kosten: 3,49 €
Taschenbuch: 10,00 € 
Kindle eBook: 6,99 €
Erscheinungsdatum: 16. November 2012

Kurzbeschreibung: Monika ist ein echtes Wunschkind. Sie soll die gutbürgerliche Familie komplettieren. Doch hinter der heilen Fassade spielt sich Unfassbares ab. Von Anfang an wird Monikas Leben von sexuellen Übergriffen bestimmt. Was der Großvater an dem Kleinkind begeht, setzt sich in jahrelangen Vergewaltigungen durch den Vater und die älteren Brüder fort. 

Erst nach dem Freitod ihres jüngeren Bruders Georg, der nicht weiter mit ansehen kann, was mit seiner geliebten Schwester geschieht, gelingt es Monika, sich aus dieser Hölle zu befreien.

Meine Meinung: Alle Kinder, die Narben in ihre Jugend und in ihr Leben als Erwachsener tragen, sehen sich nur nach einem: Liebe. Ihre Eltern sind die einzigen Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren eines Kindes. Sie haben nicht nur die Aufgabe ihre Kinder zu lieben, sie müssen es. Ganz einfach. Ich, nun in der Gegenwart, Jahre später nach Monikas Kindheit, würde mit Nachdruck sagen, weswegen bringen Menschen Kinder auf die Welt, wenn sie diese nicht lieben werden? Nur befinden sich zwischen den Ereignissen in Monikas Leben und der Gegenwart viele Jahre. Und der Faktor Religion spielt eine zu große Rolle. An Verhütung war da nicht zu denken. Nur frage ich mich weswegen Monika dann in ihrer Jugend die Pille nehmen musste. Wo ist nun die Religion, die die Verhütung verhindert? Aber das ist ein viel zu schwieriges Thema. Jedem das seine sagen wir mal. 

Auch Monika war ein kleines Mädchen, dass nur eins von ihren Eltern erwartet hat. Geliebt zu werden. Ihr war bereits früh bewusst ihre Mutter würde ihr positive Gefühle nicht entgegen bringen. So blieb ihr Vater. Monika liebt ihren Vater so sehr, dass sie ihr gemeinsames Geheimnis Jahre lang für sich behält. Obwohl sie genau weiß, das was ihr Vater mit ihr tut ist verboten und dürfte nicht sein, ist es trotzdem der einzige Moment wo sie auch nur ein wenig Liebe entgegengebracht bekommt. Aber auch das sind nur Worte. Ihr Vater tut nichts weiter als sie für die Befriedigung seiner Lust zu benutzen. Dabei wollte sie nur als Tochter geliebt zu werden.

Es ist wirklich unheimlich schwer als Außenstehender dieses Buch zu lesen. Der Grund ist ganz einfach, man weiß wie schrecklich all das Beschriebene ist, kann es aber trotzdem nicht erfassen. Ich habe gelesen, aber wie viel konnte ich denn bitte fühlen? Gar nichts im Gegensatz zu Monikas Empfindungen. Allein das Verfassen der Zeilen war mit Sicherheit schwerer, als das ich ihre Geschichte gelesen habe. Ich habe mich unfähig gefühlt. Unfähig auch nur im entferntesten nachzuvollziehen und unfähig mich hineinzuversetzen. Egal wie sehr ich es will, ich konnte mich nicht hineinversetzen. In meinen Augen kann ich von mir behaupten, dass ich eine schwierige Kindheit hinter mir habe. Doch das klingt in meinen Ohren falsch. Das was hier beschrieben wird ist eine ganz andere Dimension und kein bisschen vergleichbar. Ein Vergleich steht mir nicht zu. So steht es mir genausowenig zu, zu urteilen oder gar Kritik entgegenzubringen. Das würde ich mir nie erlauben. Beim Lesen schleichen sich so einige Ideen in die Gedanken was besser gemacht werden könnte. Lösungsvorschläge wollen sich einen Weg an die Oberfläche bahnen. Aber nein, all das hat keine Bedeutung. Ich war es nicht, die Tag für Tag in diesem grauenhaften Haus durchhalten musste. Und alles andere habe ich schon gar nicht durchgemacht. 

Mitschuldig sind all Diejenigen, die vom Kindesmissbrauch wussten, aber Monika lieber als Lügnerin abstempelten als ihr zu glauben. Ober besser gesagt, sie glaubten ihr alle und wussten auch, dass das Gesagte der Wahrheit entsprach, aber wählten lieber den einfachen Weg und schwiegen. Auch hier könnte ich anfangen mich aufzuregen. Nur es würde nichts bringen. Ich glaube nicht, dass die Menschen in Monikas Leben den Mut besessen hätten ihr zu helfen. Schließlich waren sie nicht unbedingt anders als ihre eigenen Eltern. 

Ein sehr bedrückendes Thema. Wegzudenken ist es nicht. Ich will nicht wissen wie viele Kinder und Jugendliche ähnliches jetzt zu dieser Stunde über sich ergehen lassen müssen. In diesem Buch wird die extremste Form beschrieben. Uns, die keine Nähe zu diesen Menschen haben, sind die Hände gebunden. Aber ich würde alles in meiner Macht stehende tun um so einen Vorfall in meiner Umgebung zu unterbinden. Ich hoffe aus tiefsten Herzen, dass alle Menschen offene Augen und Ohren haben und die Hinweise richtig deuten. Keiner darf die Augen schließen. Umso wichtiger ist dieser Vorsatz wenn die Betroffenen gezielt auf einen zugehen und sich dazu überwinden die Worte auszusprechen. Wir wissen ganz genau, solange alle schweigen wird Kindesmissbrauch ein aktuelles Thema bleiben. Solange keiner was tut wird es nie aus unserem Leben verschwinden. 

Im Grunde dürfte man solche Bücher nicht bewerten. Da gibt es nichts zu bewerten. Es sollte uns nicht zustehen. Nur leider gehört das dazu. Meine Bewertung hat nichts mit dem Inhalt zu tun, um das noch mal ausdrücklich klarzustellen. Lediglich der Schreibstil verleitet mich dazu. 

Fazit: Dieses Buch empfehle ich denjenigen, die aus ihrem behüteten und unbeschwerten Leben austreten wollen und wenigstens zu einem kleinen Teil teilzuhaben. Denn vieles ist nichts im Gegensatz zum Leben, die einige unter uns führen. 

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen 

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