Dienstag, 19. April 2016

Beim Leben meiner Schwester von Jodi Picoult

Seitenzahl: 476
Verlag: Piper 
Kosten: keine, da ich es aus der Bücherei ausgeliehen habe
Taschenbuch: 11,50 €
Kindle eBook: 9,99 €
Erscheinungsdatum: September 2007

Kurzbeschreibung: Ohne ihre Schwester Anna kann Kate Fitzgerald nicht leben: Sie hat Leukämie. Doch eines Tages weigert sich die 13-jährige Anna, weiterhin Knochenmark für ihre todkranke Schwester zu spenden … Jodi Picoults so brisanter wie aufrüttelnder Roman über den Wert des Menschen wird niemanden kaltlassen.

Meine Meinung: Vor einigen Jahren, damals versuchte ich erst rauszufinden welches Genre ich gerne lese, las ich dieses Buch. In Erinnerung blieb es mir, als das erste Buch für dessen Handlung ich Tränen vergossen habe. Hinzu kommt noch, dass es eines der besten bisher gelesenen Bücher war. Jetzt bin ich der Ansicht, es lieber kein zweites Mal gelesen zu haben, damit es mir immer so gut in Erinnerung geblieben wäre. Die Seifenblase habe ich nun selbst zerplatzt.

"Beim Leben meiner Schwester" ist in meinen Augen ein Klassiker. Viele Leser haben diese Lektüre sicherlich schon gelesen. Obwohl es auch verfilmt wurde, habe ich nie den Wunsch gehabt mir den Film anzusehen. Das brauche ich nicht solange ich das Buch lesen kann.

Erzählt wird eine dramatische und tragische Geschichte eines Mädchens, das nach dreizehn Jahren selbst entscheiden will, ob sie ihre Schwester weiterhin am Leben erhalten will. Kate ist vor 14 Jahren, als sie zwei Jahre alt war, an Leukämie erkrankt. Anna wurde sozusagen genau an die Bedürfnissen von Kate angepasst und kam quasi als Mittel zum Zweck auf die Welt. Zumindest scheint das im ersten Moment so. Nur ist das Ganze so einfach zu begründen und verurteilen? Genau deswegen wählt, meiner Meinung nach, die Autorin viele verschiedene Perspektiven, um die Geschichte dem Leser nahe zu bringen. Somit kommt jeder zu Wort und der Leser wird gezwungen sich zwischen den Seiten hin und her zu bewegen. Im weiteren Verlauf der Handlung wird es immer schwerer sich auf eine bestimmte Seite zu schlagen. Vor allem als rauskommt, dass nichts so ist wie angenommen.

Ich persönlich finde mich an Annas Seite wieder. Wenn auch nicht zu hundert Prozent sicher. Denn wo es um so ein ernstes Thema geht, kann ich mich nicht entscheiden, ohne unmenschlich zu sein. Das Gewissen lässt einen nicht so einfach los.

Wie käme ich selbst mit dem Gedanken klar, nur auf der Welt zu sein, um meiner älteren Schwester das Leben zu retten? Ich käme überhaupt nicht klar mit dieser Tatsache. Verarbeiten könnte ich es einfach nicht. Trotz gelesener Geschichte, kann ich mich dennoch nicht gänzlich in die Charaktere hineinversetzten. Es in der Realität zu erleben, ist da schon eine ganz andere Nummer. Auch wenn ich den Gedanken Mittel zum Zweck zu sein nicht verarbeiten könnte, könnte ich meine Schwester auch nicht dem Tod übergeben. In Anna und Kates Fall wäre meine Schwester mein Ein und Alles. So gibt es kein richtig oder falsch. Vor allem nicht wenn es um Ethik und Moral geht.

Beim ersten Lesen kann ich mich noch zu gut an die Tragik der Handlung erinnern. Jetzt, wo ich viel abgehärteter und älter bin, setzte mir die dramatische Handlung nicht so sehr zu wie beim ersten Mal. Dieses Buch hatte ich immer als fünf Sterne Lektüre angesehen. Doch nun belehrt mich das Lesen eines besseren. So gut wird meine Bewertung nicht ausfallen.

Dennoch ist es eines der besten Bücher in diesem Bereich. Wenn nicht sogar das bisher beste, weil ich kein besseres gelesen habe. Ein Muss für jeden Leser würde ich jetzt sagen. Doch ich gehe weiter und lege jedem Menschen diesen Roman ans Herz. Zudem wünsche ich keinem so eine Situation. Keiner Mutter eine krebskranke Tochter. Keinem Vater eine solch schwere Last. Keinen Bruder das Gefühl zweitrangig zu sein. Und auch keiner jüngeren Schwester, die an erster Stelle als Rettung für ihre Schwester auf die Welt kam.

Während des Lesens hätte ich gerne Annas Eltern kritisiert. Doch jedes Mal, als ich kurz davor war, stellte sich mir ihre tiefe Hilflosigkeit in den Weg. Immer wieder wurde ich mit meinem Gewissen konfrontiert. So versuchte ich das Gute in diesen Menschen zu sehen. Sara und Brain können sich nicht spalten. Trotzdem bin ich der festen Überzeugen auch sie haben ihre Fehler gegenüber ihren Kindern. Für sie kommt zwar an erster Stelle Kate, weil sie krank ist. Doch dabei dürfen sie nicht vergessen, dass sie noch zwei Kinder haben und diese genauso auf Liebe warten, auf Zuneigung hoffen und Aufmerksamkeit erwarten. Allein schon das zwei Kinder sich vernachlässigt fühlen und Aufmerksamkeit zur Sprache kommt, melden sich bereits die ersten Warnlichter. Aufmerksamkeit ist nichts was man sich erkämpfen muss. Es sollte selbstverständlich sein. Und trotz meiner insgeheimen Kritik kann ich diese Eltern nicht verurteilen. Denn ich bin nach wie vor keine Mutter, deren Tochter jederzeit sterben könnte.

Fazit: Hier prallen Ethik und Moral aufeinander. Wörter wie Richtig oder Falsch rücken zum größten Teil in den Hintergrund. Nichts ist einfach wenn das Leben eines geliebten Menschen an einem feinen Faden hängt. Ohne Ausnahme sollte dieser Roman von jedem gelesen werden. Im Nachhinein schätzt man sich und die geliebten Familienmitglieder als glücklich ein. Gesundheit ist nichts selbstverständliches.

Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternen 

Kommentare:

  1. Hallo Melek, :)

    ich habe „Beim Leben meiner Schwester“ auch vor kurzem erst gelesen und gestern rezensiert und ich hoffe, es ist für dich okay, dass ich deine Rezension in meiner unter der Überschrift “Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch” verlinkt habe? Falls nicht, melde dich einfach kurz bei mir und ich lösche dich wieder raus, ja? 😉 Hier der Link:
    http://janine2610.blogspot.co.at/2016/06/rezension-beim-leben-meiner-schwester.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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    1. Hallo Janine,

      das mut dem Link ist sogar sehr nett von dir. Auch eine gute Idee, andere Meinungen zum Buch aufzulisten.
      Deine Rezension habe ich sogleich auch nal gelesen. Ich selbst habe den Film zum Buch nicht gesehen. Hatte auch nie das Bedürfniss dazu. Aber so hat man einen ganz anderen Vergleich. Nicht schlecht. Das Ende im Film war ganz anders als im Buch? Auch das wusste ich nicht. Bücher sind nun mal das Original so halte ich mich lieber daran.

      Liebe Grüße
      Melek

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    2. Sehr gerne! :) Ich persönlich finde es als Rezensionsleserin immer ganz interessant, was andere Leser des gleichen Buches für Meinungen hatten und deswegen habe ich diesen Punkt in meiner Rezension eingeführt.
      Ja genau, das Ende im Film fällt komplett anders aus und da ich ja nun beide Medien kenne und vergleichen kann/darf: ich persönlich mag den Film viel lieber - der konnte auch stärkere Emotionen bei mir hervorrufen. Vorgestern habe ich mir den Film via YouTube nochmal angesehen, weil ich total Lust bekommen habe und am Ende habe ich geheult ... wie weiß nicht was. ;)

      Alles Liebe ♥,
      Janine

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    3. Für die Leser kann das ja nicht schlecht sein. Da hat man gleich einen Vergleich zwischen Rezensionen.
      Den Film gibt es auf YouTube? Das ist doch mal ein Tipp. Wenn du schon so mitgenommen wurdest, kann das ja nur ein gutes Zeichen sein. Ich muss mir mal die Zeit nehmen.
      "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" war wiederum ein Film, den ich besser als das Buch fand. Kennst du Buch oder Film? Heulend saß ich da im Kino.

      Liebe Grüße
      Melek

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    4. Ja, den gibt es einige Male auf YouTube, die Qualität ist zwar nicht hervorragend, aber zum einmal sehen, reicht es vollkommen. ;) Ich lasse dir mal den Link da, dann kannst du ihn dir bei Gelegenheit ansehen, wenn du Lust hast: https://www.youtube.com/watch?v=yY2v1Xvo9mg

      Das Buch von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" habe ich schon vor 2 Jahren gelesen, den Film dazu allerdings noch nicht gesehen. Ich habe ihn aber schon als DVD hier seit ein paar Wochen liegen, ich denke, ich werde ihn mir aber in den nächsten Tagen ansehen. Bin schon sehr gespannt! :)

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    5. Dann haben wir ja beide noch was zu tun:)
      Danke für den Link. Sobald ich Zeit finde, werde ich mir den Film ansehen. Mal sehen wie ich es finden werde.
      Dir auch viel Spaß mit der DVD.

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