Donnerstag, 18. Juni 2015

Flüsterkind - Dein Mann hat mich missbraucht. Ein Brief an meine Mutter von Mona Michaelsen

Seitenzahl: 288
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Kosten: 3,49 €
Taschenbuch: 9,90 €
Kindle e-book: 6,99 €
Erscheinungsdatum: 15. April 2014

Kurzbeschreibung: Als sie fünf ist, wird Mona zum ersten Mal von ihrem Stiefvater missbraucht. Jahrelang fügt sie sich seinen Drohungen und erduldet ihr Martyrium in dem Glauben, dass ihr niemand helfen kann. Als sie es nicht mehr aushält, erzählt sie ihrer Mutter von den Dingen, die niemand wissen darf. Die jedoch schenkt ihr kein Gehör und verurteilt sie damit zu einem unentrinnbaren Kreislauf aus Leiden, Angst und Scham. Hilflos muss Mona mitanschauen, wie sich der brutale Stiefvater auch noch an ihrer kleinen Schwester vergeht.

Erst dreißig Jahre später schreibt Mona einen Brief an ihre Mutter. Die wegschaute, die nichts wissen wollte, die den Missbrauch duldete. Endlich erzählt Mona ihr all das, was sie damals nicht sagen durfte. Mit beklemmender Eindringlichkeit konfrontiert sie ihre Mutter mit der schrecklichen Wahrheit. Doch mehr als um die Mutter geht es um Mona selbst: Wort für Wort befreit sie sich von ihrer Vergangenheit. 

Flüsterkind ist der ehrliche, schonungslose Bericht einer Betroffenen, der zeigt, dass es mehr als einen Schuldigen gibt, wenn es um Kindesmissbrauch geht: den Täter und diejenigen, die wegschauen und ihn gewähren lassen. 

Eine Tochter klagt ihre Mutter an: ein erschütterndes und mutiges Buch!

Meine Meinung: Zufällig bin ich beim Kindle-Deal der Woche auf dieses E-Book gestoßen. Die Kurzbeschreibung animierte mich zum Kauf. Von alleine hätte ich diese Geschichte nicht entdeckt. Sogleich schnupperte ich auch rein. Die direkte Anrede hat mich sofort getroffen und ich konnte mich nur schwer zügeln. Erst zu einem späteren Zeitpunkt habe ich mir die Lektüre dann wieder zur Hand genommen. Ich wusste genau, hier erwartet mich eine erschütternde Handlung, die mich so einfach nicht mehr loslassen wird. Drei Tage hat mich die Thematik beschäftigt. Das auch, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit war oder zu einer anderen Gelegenheit meinen Gedanken nachhängen konnte. Jedes Mal überkam mich eine Gänsehaut und mir war stehts zu Weinen zumute. 

Ein Buch, oder in diesem Fall einen Brief zu bewerten kommt mir falsch vor. Wie könnte ich einer Geschichte, die mich so mitgenommen hat weniger Sterne als fünf vergeben? Mir steht es gar nicht zu, zu bewerten. Hierbei handelt es sich um die reine Wahrheit, die sich genau so zugetragen hat. Mit uns Lesern wird sie nun geteilt und auch sollten sich die Schuldigen schämen. Ich wüsste nicht wie ich solche Menschen bezeichnen soll. Ich bin so froh in meiner Umgebung relativ unschuldige Menschen zu haben. Um solche Leute würde ich einen großen Bogen machen. Wobei ich mir sicher bin den Beteiligten ist es schlicht und einfach egal. Ich würde mich schon allein deswegen schämen, dass nun mein Bekanntenkreis bescheid weiß. Und so offen wie dieser langer Brief können Worte nicht sein. Nun liegt alles ausgebreitet auf dem Tisch. 

Komme ich mal zur Geschichte an sich. Wiedergeben will ich auch nicht viel. Egal wie sehr ich versuche verstehen zu wollen, ich könnte niemals nachvollziehen. Allein schon weil ich eine normale Kindheit hatte. Wir waren nicht arm und uns fehlte nichts. Natürlich hat jeder sein Päckchen zu tragen. Nur jetzt nachdem ich Monas Geschichte gelesen habe, kommen mir meine eigenen Probleme so unbedeutend vor. Gleichzeitig schätze ich was ich habe. Auch nach Jahrzehnten in Therapie zu sein. Das lässt sich so leicht schreiben, aber weiß ich was das für ein Ausmaß bedeutet? Diese Ungerechtigkeit macht mich fertig. Alles in diesem Buch war so erdrückend. Mir tat das Gelesene im Herzen weh. 

In Monas Kindheit lief rein gar nichts richtig. Es gibt so viele Paare, die sich nichts sehnlichster Wünschen als ein Kind. Und dann gibt es wieder Menschen, wie in diesem Buch, die es nicht wert sind auch nur ein einziges Kind zu bekommen und deren Leben so zu ruinieren. Irna und ihr Mann haben das Leben ihrer Kinder vom ersten Augenblick an zerstört. Von sowas wie Elternliebe, Zuneigung und Fürsorge ist in dieser Geschichte weit und breit nichts zu finden. All das ist Kilometerweit entfernt. Kinder lernen von den Eltern. Sie sind Vorbilder und wieder sind sie es, die ihren Kindern beibringen wie es sich lebt. Alles lernen wir von unseren Eltern. Besonders in den ersten Jahren sind sie unsere Welt. Unser Ein und Alles. Doch wie könnte ich Irna und ihren Mann beschreiben? Ich schlage lieber vor sie selbst im Buch kennenzulernen. Meine Worte würden nicht ausreichen, um ihnen gerecht zu werden. Grauenvoll von ihnen zu lesen und zu wissen, solche Leute leben in dem selben Land wie ich... 

Monas einzige Sorge war nicht ihre Angst vor ihrem Stiefvater und auch nicht vor dem was er ihr antun könnte. Es geht alles viel tiefer. Ich bringe der Autorin großen Respekt entgegen. Sie lies uns an ihrer Kindheit teilhaben und dennoch kann ich mir nicht ausmalen wie es in ihrem Inneren aussieht. Dazu wäre ich nicht fähig, weil ich es einfach nicht erlebt habe. Keinem einzigen Kind auf dieser Erde wünsche ich etwas ähnliches. Man muss nicht viel Geld haben um zu lieben. Liebe ist völlig kostenlos. Monas Familie war arm, aber was hinderte Irna daran ihre Kinder zu lieben? Beim Lesen habe ich gemerkt, dass sie dazu nicht in der Lage war. Und bin ebenfalls der Meinung Irna trägt die meiste Schuld auf ihren Schultern. Sie wusste bescheid und hat sich dazu entscheiden den einfachen Weg zu gehen. Was für ein kaltes Herz sie doch besitzt.

Anfangs habe ich mir doch tatsächlich gedacht der angebliche Vater ist nun mal nicht Monas leiblicher Vater und deswegen wäre er dazu fähig ein gerade mal fünf Jähriges Mädchen so sehr zu verletzen. Ich habe eine Cousine im selben Alter. Unbegreiflich so ein Verhalten. Unfassbar. Schlimm finde ich es ja schon, dass ich mich selbst so belogen habe. Dieser abscheuliche Mann machte auch keinen Halt wenn es um Ulla, Monas Schwester, seiner eigenen Tochter ging. Wenn wenigsten Irna so mutig gewesen wäre und ihre Töchter beschützt hätte. Verlieren konnte sie nichts. Das Leben läuft nicht nach dem Prinzip nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Nicht mal die Großeltern, die ebenso bescheid wussten, haben nicht den Finger gerührt. Mir fällt es schwer diese Leute als Menschen zu bezeichnen. Ein Einziger hätte mal den Mund aufmachen können. Aber ja stimmt ja, sie waren nicht die Betroffenen.

Während des Lesen habe ich auch andere Rezensionen und auch Interviews der Autorin gelesen. Ich musste einfach mehr erfahren. Im Nachhinein hätte ich mir eher die erweiterte Version des Buches gekauft. Gerne hätte ich auch Ullas Sicht gelesen und auch über sie mehr erfahren wollen. Nur jetzt lohnt sich das alles nicht mehr. 

Fazit: Diese Geschichte wird mich noch lange Zeit beschäftigen. Ich werde Mona und ihre Geschwister so einfach nicht vergessen. Der Autorin wünsche ich nur das Beste in der Zukunft und würde zu gerne verhindern wollen, das etwas ähnliches täglich so vielen Kindern passiert. Leider kann keiner einen anderen Menschen kontrollieren. Diese Macht haben wir nur über uns selbst. Dabei gibt es so viel auf dieser Erde was verändert werden sollte. Unfassbar wie viel Ungerechtigkeit täglich seinen Lauf nimmt. Meiner Ansicht nach ist dieses Buch jeden Cent wert und sollte gelesen werden. 

Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen 

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